
Türm
Rathaus |
Effektvoller neugotischer
Monumentalbau als Manifestation des Bürgerstolzes am Ende des
19. Jh.
Ein heimisches Gewächs ist dieses überdimensionale, wuchernd
geschmückte, an flandrische Gotik erinnernde Rathaus gewiss
nicht, aber die Münchner hängen unverbrüchlich dran.
Neugotik war Mode, als es der Grazer Architekt Hauberrisser
von 1867 bis 1908 in drei Abschnitten baute. Der Komplex
aus Back- und Haustein mit dem 80 m hohen Turm
gruppiert sich um sechs Innenhöfe, darunter den sehenswerten
Prunkhof mit Wendeltreppenturm. Historische Gestalten bevölkern
als Bauplastik die fast 100 m lange Frontfassade.
Das Glockenspiel-Spektakel im Turmerker Punkt 11
und 12 Uhr beschwört Marienplatzgeschichte: das Turnier bei
der Hochzeit Wilhelms V. mit Renata von Lothringen, 1568, und den
Schäfflertanz, der schon seit 1683 Zunfttradition ist. Das
Spiel der 43 Glocken (viertgrößtes Glockenspiel in Europa)
begleitet die gravitätischen Bewegungen der 32 lebensgroßen
Figuren. Abends um 9 Uhr zeigen sich Münchner Nachtwächter
und Münchner Kindl, von einem Engel gesegnet, in den Erkern
des 7. Geschosses (Glockenspiel von Mai bis Oktober auch 17 Uhr).
|